Zum Abschluss

Nach Wochen und Monaten kommt der Wahlkampf zum Landtag von Baden-Württemberg morgen zum Ende. Sie sollten morgen zur Wahl gehen, das sollte es Ihnen wert sein, die nächsten fünf Jahre mitreden zu können. Stimmabgabe ist das Eintrittsticket dafür. Und wenn Sie wählen, bedenken Sie, dass das morgen nicht der Anruf von einem Meinungsforschungsinstitut ist, dem man mal kurz die Meinung sagt und danach geht man ins Kino (oder füttert den Goldfisch oder macht sonstwas). Morgen entscheiden Sie darüber, wem Sie die nächsten fünf Jahre Politik am ehesten zutrauen. Wie unser Bildungssystem aussieht, wie unsere Straßen und Netzverbindungen, ob Politik zum Wohle aller mit den Betrieben und Unternehmen gemacht wird oder gegen sie, wie die Innere Sicherheit aussieht oder ob unser Land Weltoffenheit und Lebensfreude ausstrahlt oder eher wie eine Erziehungsanstalt daherkommt. Und nicht zuletzt, ob und welches Signal von Baden-Württemberg ausgeht, die Herausforderung der vielen Flüchtlinge bei uns konstruktiv zu gestalten. Und eine persönliche Bemerkung sei mir nach Anschauung des Wahlkampfes gestattet: So verzweifelt kann niemand sein, dass er oder sie die traurigen und schaurigen Gestalten der AfD wählen muss.

Zuletzt noch einige kluge Sätze und Gedanken, aus dem brillanten Buch „Black Earth“ des amerikanischen Historikers Timothy Snyder (Verlag C.H. Beck, München 2015), das sich in profunder Weise mit Ursprung und Ablauf des Holocaust beschäftigt. Diese Ausführungen sind es wert, gerade vor einer demokratischen Entscheidung in einer offenen, sicheren, wohlhabenden und freien Gesellschaft wie der unsrigen bedacht zu werden:

„Zeit nützt dem Gedanken, und der Gedanke nützt der Zeit; Struktur unterstützt Pluralität, und die Pluralität unterstützt die Struktur. Diese Argumentationskette ist weniger aufregend als die Erwartung einer allgemeinen Katastrophe und der Traum von persönlicher Erlösung. (…) Kein Konzept eines dauerhaften Staates kann es jemals mit Totalitätsvisionen aufnehmen. (…) Aber um dem Bösen entgegenzutreten, müssen wir uns von dem inspirieren lassen, was vernünftig ist, nicht von dem, was Anklang und Beifall findet. Die Pluralitäten von Natur und Politik, von Ordnung und Freiheit, von Vergangenheit und Zukunft sind nicht so verführerisch wie die totalitären Utopien des vergangenen Jahrhunderts. (…) Die Antwort an diejenigen, die nach Totalität streben, ist nicht Anarchie, denn sie ist nicht der Feind der Totalität, sondern deren Handlanger. Die Antwort besteht vielmehr in durchdachten, pluralen Strukturen – eine unablässige, differenzierte Schöpfungsarbeit. Das ist eine Frage der Vorstellungskraft, der Reife und des Überlebens.“