Stuttgart 21 in Untertürkheim – Glanz und Grenzen der Bürgerbeteiligung

Am Dienstagabend durfte ich zu Gast sein, als die Deutsche Bahn AG die Baumaßnahmen zur Bahntrasse Stuttgart-Ulm vorstellte. Anwesend waren unter anderem die Untertürkheimer Bezirksvorsteherin. Dagmar Wenzel, die Bürgerbeauftragte der Stadt Stuttgart, Alice Kaiser und ein Team von Verantwortlichen seitens der Bahn, die die Baumaßnahmen koordinieren und begleiten.

Das Thema „Stuttgart 21“ ist ein Politikum und wir erinnern uns alle noch an erbitterte Auseinandersetzungen und Proteste. Das Projekt wird gebaut und die Diskussion ist auf einem wesentlich sachlicheren Niveau angelangt. Am Dienstagabend folgten ruhige und besonnene Menschen den Ausführungen und stellten fragen. Es ist sehr beeindruckend, was eine solche Großbaustelle mit sich bringt und was Ingenieursleistung heute vermag. So wird zum Beispiel unter dem Neckar ein Tunnel mit zwei Röhren gebaut. Auf möglichst geringe negative Auswirkungen für die Anwohner wird größten Wert gelegt. Aus meiner Sicht ist das wichtig, denn nur dann, wenn sich alle berücksichtigt sehen, wird das auch zum gemeinsamen Projekt.

Freilich verlangt die Befassung mit einer solchen hoch spezialisierten Materie viel Zeit. Zeit, die sich insbesondere Anwohner sicher auch aus ganz persönlichen Gründen nehmen. Dabei zeigt sich aber auch das Problem einer solchen Beteiligung: Ein Bauprojekt diesen Ausmaßes kann nicht spurlos sein. Viele Menschen haben aber schlicht nicht die Zeit, sich in Bohrabstände, Gesteinsformationen und Tunnelwinkel einzuarbeiten. Hier kann Bürgerbeteiligung an ihre Grenzen stoßen.

Auf mich übt eine solche technische Leistung eine Faszination aus. Ich gehe davon aus, dass die Menschen, die dafür gerade stehen, wissen, was sie tun. Das kann man naiv nennen, aber nehmen wir eine andere Stunde der Spezialisten: Wenn ein Chirurg heute ans Werk geht, dann habe ich auch nur selten die Möglichkeit, den Einschnittwinkel mit ihm zu diskutieren. Wobei ich schon gerne vorher besprechen würde, was er denn vorhat.

Es ist eine wichtige Aufgabe, wie wir solche Projekte in Zukunft moderieren. Und wie wir sicherstellen, dass auch diejenigen, die sich nicht ausschließlich damit befassen können, ihre Anliegen vorbringen können. Stuttgart 21 und die Bahntrasse Stuttgart-Ulm werden Technikgeschichte schreiben. Es liegt an uns, dass sie auch Demokratiegeschichte schreiben können.